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Krisen und Kandidaten - Welchem Kandidaten nutzt die Finanzkrise? 
 7. Oktober 2008      Krisen stellen immer eine Chance dar. Dies lehren uns nicht nur die Chinesen, bei denen das Wort für Krise gleichzeitig Chance bedeutet. Dies ist spätestens seit dem berühmten Ökonomen Popper und seinem Begriff der "schöpferischen Zerstörung" auch bei uns bekannt. Im Hinblick auf die Bundestagswahl 2009 stellt sich die Frage, ob und welchem Kandidaten für das Amt des Bundeskanzlers die aktuelle Finanzkrise einen Vorteil in der Gunst der Wähler verschafft.
    Unter zwei Bedingungen nutzen Krisen immer den amtierenden Kandidaten. Zum einen muss es sich um eine Krise handeln, welche der Kandidat nicht selbst verursacht hat. Es muss sich also um einen exogenen Schock handeln. Zum anderen muss die Krise nachhaltig gemeistert und die damit verbunden Probleme öffentlichkeitswirksam gelöst werden. Dadurch erzielt der amtierende Kandidat regelmäßig Sympathien und damit Stimmen. Dies kann vom Herausforderer kaum kompensiert werden, da er sich nicht in der Position befindet, welche in den Medien positiv als erfolgreicher Krisenmanager dargestellt wird. Er kann die Verantwortung für eine Lösung der Krise kaum wirksam übernehmen.
    Das beste Beispiel dafür, dass Krisen dem Amtsinhaber mehr als dem Herausforderer nutzen, findet sich in der jüngeren deutschen Geschichte. So hat zur Wiederwahl Gerhart Schröders maßgeblich das kurz vorher überwundene Oderhochwasser positiv beigetragen. Schröder hatte es verstanden, sein Management dieser Naturkatastrophe sehr medienwirksam zu vermarkten. 
    Auf die aktuelle Situation übertragen, bedeutet dies, dass Angela Merkel von der Finanzkrise profitieren müsste. Allerdings handelt es sich bei dieser Krise nicht um einen rein exogenen Schock, da auch deutsche Kreditinstitute Ursache des Problems sind und die Finanzaufsicht hierfür eine deutsche Angelegenheit ist. Letztlich ist dafür die Legislative, also die politische Führung verantwortlich. Darüber hinaus ist Angela Merkel bisher nur wenig als echte Problemlöserin der Krise aufgetreten bzw. konnte dies nicht nachhaltig positiv "vermarkten". Damit ist zu erwarten, dass in diesem Fall die Amtsinhaberin nicht von der aktuellen Krise profitieren kann. Letztlich wird es sich für die Union in den Ergebnissen der Sonntagsfrage zeigen, wie gut Angela Merkel den Vorteil zu nutzen weiß.
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